Das geheime Leben der Bäume: Darum sind gesunde Wälder wichtig

25.10.2015

Peter Wohlleben ist Forstfachwirt und hat seinen sicheren Job als auf Lebenszeit als beamteter Förster aus Gewissensgründen aufgegeben. Er wollte nicht mehr verantworten, Wälder zugunsten von industriell angepflanzten Fichtenplantagen zu zerstören.Doch das Blatt wendete sich. Er wurde von der regionalen Gemeinde wieder eingestellt und bekam die Chance, den toten Wald in einen gesunden Mischwald zu wandeln. Bild: Report Mainz.

Bäume sind nicht nur schön anzusehen, spenden Schatten, Sauerstoff, entziehen der Luft einen Teil des Treibhausgases CO2 und geben bei einem Spaziergang durch Wälder Ruhe und Kraft. Bäume sind mit Menschen auch auf eine ganz besondere Weise verbunden, atmen sie doch einen Teil dessen, was wir ausatmen und umgekehrt. Eine Symbiose, derer wir uns häufig gar nicht bewusst sind.

Ohne menschlichen Einfluss wäre Deutschland hauptsächlich von sommergrünem Laubwald bedeckt. Wälder nehmen aktuell noch ein Drittel der deutschen Landesfläche ein. Holz ist überdies ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Doch die Romantik, mit der der deutsche Wald in der Literatur verklärt wurde, existiert in der Realität immer weniger. Stattdessen verdrängen zunehmend zertifizierte und dann häufig auch monokultivierte Waldflächen den guten alten Laubwald, meist mit schnell wachsenden und somit auch in kurzen Zyklen erntereifen Fichtenbeständen – mit fatalen Langzeitfolgen.

Das Buch über die sozialen und kommunikativen Strukturen von Bäumen

Der Forstfachwirt Peter Wohlleben aus der Eifel bewirtschaftet seinen Wald alternativ. Er möchte die Faszination Wald ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückholen und hat mit seinem jüngsten Buch „Das geheime Leben der Bäume“ für große Aufmerksamkeit und Erstaunen gesorgt. Wohlleben beschreibt, was Bäume fühlen, wie sie kommunizieren und öffnet den Lesern somit einen Blick in neuste wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Autor und Forstfachexperte bezeichnet die „Kultivierung“ des deutschen Waldes als Dummheit. So auch die Arbeit vieler Förster, die ihren Job im Auftrage der Holzindustrie, so Wohlleben „[…] auch noch als Naturschutz deklarieren“. Seit 20 Jahren betreut der Waldexperte den Wald der Gemeinde Hümmel in der Eifel. Ein Fichtenwald, den er seit dem in einen gesunden Laubwald wandelt. „Ein Prozess, der sicher hundert Jahre dauert, sich aber mehr als bezahlt macht“, davon ist der Waldexperte und Buchautor überzeugt. Immerhin sind die ersten Buchen heute schon bis zu vier Meter groß.

Viel Aufmerksamkeit für Peter Wohllebens Strategie

Gesunde Wälder funktionieren auf eine erstaunliche Art und Weise. Wohlleben hat mit seinem Buch unglaublich viel Aufmerksamkeit erregt. Ob als Gast in der NRD-Talkshow oder in Sendungen vom Bayerischen Rundfunk über den SWR bis hin zur Fernsehsendung Aspekte wurde er mit sehr großem Interesse befragt. Das Thema Nachhaltigkeit interessiert die Menschen offensichtlich, die es leid sind, dem Tempo und Konsumwahnsinn der Industrie noch weiter zu folgen um schlussendlich selber nur noch Verbrauchs- und Konsuminstanz in einem durch und durch vom Konsumzyklus bestimmten Markt zu sein. Wohlleben hat es geschafft, die Faszination Wald zu verbreiten und wissenschaftlich bewiesene Themen charmant und verständlich publik gemacht, die allesamt handfest wissenschaftlich belegt sind.

Für den Waldexperten ist es unglaublich wichtig, Schutzgebiete und gesunde Wälder zu erhalten. „Die meisten Menschen wissen gar nicht, was ihnen alles entgeht. Viele Menschen geben sich heute bereits mit einer grünen Kulisse zufrieden. Wir brauchen aber gesunde Laubwälder, nicht nur für die Erholung und als Wirtschaftsfaktor – sie sind schon in Bezug auf das Klima ein extrem wichtiger Faktor, denn sie kompensieren teils viermal mehr CO2 als Plantagenwälder.“

Das Buch von Forstfachwirt Peter Wohlleben hat großes Interesse in den Medien gefunden. Ob NDR, SWR, Bayerischer Rundfunk oder viele Tageszeitungen – auch aktuell wird das Buch in den Medien häufig zitiert.


Doch so schnell, wie sich das Konsumtempo allgemein steigert und technische Geräte teils schon in Jahreszyklen gekauft und weggeworfen werden, denken wir nur an moderne Handys, soll auch der ständig wachsende Hunger nach Holz bedient werden – koste es, was es wolle. So sieht es der Forstfachwirt, der diesen Prozess in seinem Wald mit viel Mühe und auch gegen einige Wiederstände der Forstmaschinenindustrie, die großen Einfluss nimmt, beendet hat.

Industrielle Wälder sind tote Holzplantagen

Vielerorts ist der ursprüngliche Wald vollständig durch Fichtenwaldplantagen ersetzt worden – Bäume, die in Reih und Glied gepflanzt wurden, teils mit beschnittenen Wurzeln, nicht selten also von Baumschulen zurechtgestutzt. Hocheffektive Holzerntemaschinen verrichten effektiv an einem halben Tag die Arbeit von zehn Männern. Diese tonnenschweren Eisenmonster quetschen den Waldboden zusammen und verdichten ihn derart, dass dort kein Sauerstoff, weniger Wasser und dadurch kaum noch wichtige Bodenbewohner zu finden sind, analog zur modernen Landwirtschaft, die die ausgelaugten Böden durch den Einsatz riesiger Erntemaschinen ebenfalls zu Tode drücken und dadurch oft nur noch durch Einsatz von Chemie bewirtschaften können.

Tonnenschwere Forstmaschinen walzen sich durch gesunde Wälder, zerquetschen gesunde Waldböden und brechen Bäumen die Wurzen. Dieses Bild ist bereits aus der Massenlandwirtschaft bekannt – von Bauern, die Ihre Äcker mit schwersten Landmaschinen und Dünger häufig bereits total zerstört haben. Was bleibt, sind Böden, die Pflanzen nur noch mit Chemie tragen können. Bild Pistnor, Wikipedia


Baumplantagen sind wie Massentierhaltung

Im mitteldeutschen Urwald gab es einst keine Nadelwälder, schon gar nicht solche, die binnen weniger Jahre bis zur Erntereife herangewachsen sind. Ein erwachsener Baum braucht 500 Jahre um auszureifen, keine 15.

„Die natürlichen Funktionen eines gesunden Laubwaldbodens sind durch allzu technische und wirtschaftliche Herangehensweisen massiv gestört oder bereits vollständig zerstört“, so Wohlleben. Die Böden dieser Plantagen sind mit Fichtennadeln bedeckt. In Folge dieser Anbauweise sind diese Waldböden meist stark übersäuert und verloren ihre natürliche Funktion als Ökosystem. Die Art dieser effizienten und zerstörerischen Forstwirtschaft gibt es erst seit 50 Jahren – sie wurde nicht wissenschaftlich begründet, sondern lediglich durch die Profitgier der Industrie vorangetrieben. Die Schäden können überall in Deutschland besichtigt werden. Die Baumplantagen ebenso – und das Schlimme ist, dass wir es nicht einmal merken.

Typische Zombiebaum-Plantage. Grüne Kulisse eines toten Waldes. Bild: www.franzjosefadrian.com/ – eine sehr empfehlenswerte Seite, eines Waldexperten, er die Zustände in verschiedenen Wäldern dokumentiert.


Riskante Kündigung: eine Frage des Gewissens

„Wir haben verlernt, einen gesunden Wald von einer Monokultur zu unterscheiden“, resümiert der Forstfachwirt. Wohlleben selber war vor circa 20 Jahren in der Forstverwaltung fest verbeamtet – auf Lebenszeit. Diesen Job konnte er nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren und entschied sich zu kündigen, um sich nicht noch weiter verbiegen zu müssen. Für den Waldexperten war dies eine Gewissensfrage. Die Gemeinde Hümmel entschied sich jedoch später, den Wald kommunal in eigener Regie weiter zu bewirtschaften und stieg auf nachhaltige Forstbewirtschaftung um. Wohlleben verlor zwar seinen sicheren Job, wurde jedoch von der Kommune wieder eingestellt. Die Courage, den modernen Anbau nicht weiter zu verantworten, übernahm der Forstwirt auf eigene Faust, denn die Einstellung durch die Gemeinde kam erst nach seiner Kündigung.

Die alternative Waldwirtschaft abseits industrieller Normen

„Hier bei uns laufen einige Sachen anders ab. Ich habe konventionell angefangen und dann nach wenigen Jahren gemerkt, dass ich den Wald damit kaputt mache. 50 Prozent unserer Fläche sind heute Schutzgebiete, was alle alten Buchen und Laubbestände einschließt. Natürlich spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Geerntet wird hier aber trotzdem nicht mit schweren Holzerntemaschinen, die den Boden zu Tode quetschen, sondern mit Waldarbeitern und Rückepferden. Wir haben mit großen Widerständen von Seiten moderner Forstwirtschaftler zu kämpfen gehabt, konnten uns aber durchsetzen. Normalerweise würde dieser gesamte Wald heute gar nicht mehr stehen, so wares in der Forstplanung vorgesehen.

Aus einem Teil des Waldes haben wir einen Ruhewald gemacht, was bedeutet, dass Hinterbliebene die Urnen ihrer Verstorbenen hier an einem Baum ihrer Wahl begraben können. Somit fließt nicht nur einmal schnelles Geld aus dem Wald, der dann irgendwann industriell zu Tode geforstet würde. Vielmehr freut sich die Gemeinde über langfristige Einnahmen und der Wald steht den Menschen nach wie vor als Naherholungsgebiet zur Verfügung.“

Aber auch die Forstwirtschaft komme bei diesem Ansatz nicht zu kurz. Nur die Maschinenindustrie ließ wie immer aus Gier ihre Muskeln spielen, die natürlich ein Interesse daran hat, ihre teuren und hocheffektiven Holzerntemaschinen zu verkaufen. „Der Wechsel lohnte sich mit unserer Methode aber auch wirtschaftlich sofort, denn gesündere Wälder bzw. Mischwälder liefern mehr und besseres Holz“, erklärt Wohlleben, der sich darüber freut, dass die Industrie aus seinem Verantwortungsbereich verbannt wurde.

Gesunde Laub- und Buchenwälder, in denen sich Bäume selber schützen, mit Zuckerlösung versorgen und ohne menschlichen Eingriff nicht nur Sauerstoff spenden oder CO2 kompensieren, sondern auch gesunde und artenreiche Erde erzeugen. Bild: Wikipedia.


Aus dem Buch: Der natürliche Sozialverband von Bäumen

Bäume wie Buchen stehen in einem gesunden Forst in ständigem Kontakt untereinander. Sie ernähren sich sogar gegenseitig, in dem sie Nährstoffe über die Wurzeln austauschen. Mutterbäume stillen ihre Kinderbäume über die Wurzeln, die aufgrund ihrer geringen Größe teilweise nur drei Prozent des Sonnenlichts abbekommen und ohne diese Versorgung gar nicht überleben könnten. Das passiert solange, bis junge Bäume stark und groß genug sind, sich selber zu ernähren. Dabei werden über die Wurzeln, mit denen die Bäume im gesunden Waldboden untereinander verbunden sind, gegenseitig Zuckerlösungen ausgetauscht. Bäume, die einmal ein schlechteres Jahr erleben, werden somit von den stärkeren Bäumen quasi im sozialen Verbund mitversorgt und mitgetragen.

„Dieser Sozialverband funktioniert grundsätzlich wie bei uns Menschen. Die schwächeren Glieder eines Sozialverbandes werden von den stärkeren getragen und versorgt. Durch diese Selbstregulierung bleibt der Wald als gesunde Gemeinschaft intakt.“

Bäume bilden eine in sich lebendige Gemeinschaft und schützen sich gegenseitig

Bäume nehmen zudem aufeinander Rücksicht. Wenn etwa zwei Bäume eng nebeneinander stehen, bilden sich nur dünne Äste in Richtung des anderen Baumes aus. Während nach allen anderen Seiten dicke Äste wachsen, um möglichst viele Blätter zum Einfangen des Sonnenlichts auszubilden, tasten sich nur zarte Ästchen vorsichtig in Richtung des benachbarten Baumes vor. Kein Baum tritt mit anderen Bäumen in direkte Konkurrenz. Jeder Baum achtet rücksichtsvoll darauf, dass jeder genug Licht erhält, um gesund zu bleiben.

Auch bei Sturm bilden gesunde Baumbestände eine Solidargemeinschaft. Während einzelne Bäume umfallen würden, stützen sich die Mitglieder eines intakten Buchenwaldes gegenseitig, indem sie durch ihre unterschiedlichen Kronen und Stämme unterschiedlich hin und her pendeln, gegeneinander schwanken, ihre Bewegungen damit abbremsen und somit ein Aufschaukeln und Umfallen verhindern. Gesunde Wälder können zudem im Verbund Temperaturen um bis zu drei Grad herunterkühlen und leiden in so einer intakten Gemeinschaft weit weniger Durst.

Internet des Waldes: Das Wood Wide Web

Bäume kommunizieren zum einen über chemische Prozesse, quasi über Duftbotschaften, miteinander, gleichwohl aber auch über eine Art von Internet im Waldboden – einmal über das Wurzelgeflecht, andererseits über weiße Pilzfäden, die hier als eine Art von Datennetz funktionieren, quasi als Telekom des Waldbodens. Ein Teelöffel eines gesunden Waldbodens enthält mehrere Kilometer dieser „Pilz-Datenkabel“, über die Bäume untereinander ständig und in Echtzeit miteinander kommunizieren. Damit sind Bäume grundsätzlich viel besser verkabelt als wir Menschen. Diese wissenschaftlich bewiesenen Kommunikationskanäle werden deshalb auch als Wood Wide Web bezeichnet. „Das ist keine Spinnerei von mir oder die Verklärung eines an sich ganz anderen Prozesses, sondern es sind wissenschaftliche Fakten, die im Grunde eine hochkomplizierte und komplexe Angelegenheit darstellen“, erklärt Wohlleben.

So warnen sich Bäume über diese Pilzleitungen teils über viele hundert Meter hinweg beispielsweise vor dem Befall von Schädlingen. Die Fadenpilze profitieren ihrerseits durch eine Art Gebühr, denn sie erhalten als Gegenleistung etwa 30 Prozent des Zuckers, den ein Baum für seine Ernährung bzw. die Ernährung seiner Gemeinschaft durch Photosynthese produziert. So sind Bäume in einem gesunden Bestand bereits bestens informiert, wenn sich z. B. ein Schädling zu ihnen auf den Weg macht und können entsprechende Schutzmaßnahmen einleitet.

Bäume rufen sich Hilfe herbei

Doch das ist noch nicht alles: Bäume können sich ihre Hilfe sogar im Tierreich selber herbeirufen. Schlupfwespen beispielsweise werden durch Duftbotschaften angelockt, die die Bäume in der Gemeinschaft aussenden. Diese Wespen legen ihre Eier dann in solchen Raupen ab, die den Baum befallen haben und infolge dessen einige Zeit später sterben. Dabei erkennen die Bäume über die angefressenen Blätter, am Speichel der Raupen, ob diese gutartig oder schädlich sind. Wohlleben ist fasziniert von der Analogie zu menschlichen sozialen Strukturen.

Bäume kommunizieren nicht nur über Pilzfäden im Waldboden durch elektrische Schwingungen, sondern können auch, vergleichbar mit dem Senden einer SMS, Duftbotschaften aussenden, um z. B. Insekten herbeizurufen, die Schädlinge vernichten.


„Im Grunde funktioniert dieses Warnsystem vergleichbar mit einem Wachhund, den Menschen sich anschaffen, um sich zu schützen. Diese Art von Kommunismus eines gesunden Laubwaldes", so Wohlleben, würde bei Bäumen hervorragend funktionieren, womit sich die Bäume selber untereinander schützen und versorgen."

Plantagenbäume sind Zombies, Einzelkämpfer

Bei industriellen Holzernteplantagen, die nicht mehr als Wald zu bezeichnen sind, sondern als effiziente Holzanbauflächen funktionieren müssen, schon um schnellen Profit zu erwirtschaften, bestehen diese natürliche Verbindung nicht mehr.

Bei hastig und auf Tempo getrimmten Fichtensetzlingen sind die Wurzeln bereits für den Transport gestutzt worden, um sie schneller und in größeren Mengen heranschaffen und pflanzen zu können. Ihre Wurzeln sind isoliert von der für gesunde Wälder üblichen vernetzten Gemeinschaft unter Bäumen. Solche Plantagenbäume sind, so der Forstfachwirt, quasi Einzelkämpfer – inmitten kaputter sozialer Strukturen, wie wir sie zunehmend auch in unserer Gesellschaft finden, denken wir nur an den Umgang mit Sozialschwachen, Arbeitslosen oder alten Menschen in der Pflege.

Massenbaumhaltung (meist schnell wachsende Fichten) sorgt dafür, dass der Sozialverbund zwischen den Bäumen nicht mehr bestelt. Zombie-Bäume kommunizieren weder über den Waldboden (Pilzfäden, Wurzeln) noch über Dufstoffe und haben verlernt, sich gegenseitig zu schützen. Die Folge: Bei Schädlingsbefalle hilft meist nicht mal mehr Chemie, um den "Wald" vor seinem sicheren Tot zu bewahren. Bild: Greenpeace.


Die Botschaften zwischen den Bäumen bleiben dann aus, der soziale Verbund ist zerstört und Schädlinge müssen mit teurer und giftiger Chemie z. B. aus der Luft bekämpft werden, da die Bäume sich nicht mehr gegenseitig unterstützen können. Hier profitiert also nicht nur Maschinenbauindustrie, sondern zudem auchChemiekonzerne.

Festplatte Holz? Gedächtnis der Bäume

Erstaunlicherweise versorgen gesunde Bäume sogar Baumstümpfe mit Nahrung, die selber keine Blätter mehr ausprägen können und im Grunde dem Tode geweiht wären. „Wir haben einige Stümpfe gefunden, die 400, 500 Jahre alt und dennoch intakt sind. Die noch nicht bewiesene Vermutung liegt nahe, dass solche Stümpfe deshalb über Jahrhunderte von ihren Verwandten versorgt werden (was ja bereits als gesicherte Erkenntnis besteht), weil sie wesentliche Informationen speichern – sie funktionieren quasi als Gedächtnis z. B. in Bezug auf die Zahl und Heftigkeit von Trockenphasen über die Jahrhunderte hinweg. Das Thema wird aktuell untersucht, aber es liegt nahe, dass solche Baumstümpfe quasi als Festplatte erhalten werden, um anderen Bäumen Daten über die Historie des Waldes auch in Bezug auf Schädlinge zu liefern.“

Datenspeicher im Waldboden. Bäume versorgen teils sogar hunderte Jahre alte Baumstümpfe mit Zuckerlösung. Wissenschaftler vermuten, dass diese Baumreste als Datenspeicher für Informationen der letzten Jahrhunderte (Schädlinge, Dürren, Hitze etc.) fungieren. Bild: Wikipedia.


Fakt ist, dass Bäume an ihren Wurzelspitzen quasi gehirnähnliche Strukturen ausbilden – dies hat die Universität Bonn bereits bestätigt. Wie genau das funktioniert, wird laut Wohlleben derzeit u. a. auch an der Universität München untersucht. Auch die Frage, warum Bäume zählen können. Im Frühjahr z. B., so bereits bestätigte wissenschaftliche Erkenntnisse aus München, zählen Bäume warme Tage über 20 Grad und bilden entsprechend der klimatisch situativen Umgebung erst Blätter aus, wenn eine gewisse Zahl von warmen Tagen erreicht ist.

Können Bäume Schmerzen erleiden

Wohlleben ist sicher, dass Bäume Schmerzen empfinden können, wie jedes Lebewesen. Bei einer Verletzung der Rinde werden elektrische Signale durch den Baum geleitet, um entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten zu können und Abwehrmaßnahmen zu ergreifen. „Wenn schwere Forstmaschinen im Auftrag der pseudonachhaltigen Forstwirtschaft durch die Wälder walzen, brechen sie auch große Wurzeln im Waldboden, was dem Baum erhebliche Schäden und Schmerzen zufügt.“ Auch an diesem Thema forscht u. a. die Universität Bonn. Fakt ist, dass ein Baum, würde er nichts spüren, auch keine Schutzmaßnahmen einleiten kann, um sich nach einer Verletzung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Esoteriker oder Experte?

Der Forstfachwirt selber sieht sich ganz und gar nicht als Esoteriker. „Das ganze Thema ist natürlich hochwissenschaftlich und von verschiedenen Universitäten längst verifiziert. Diese Erkenntnisse über die Kommunikation unter Bäumen und die chemischen und elektrischen Prozesse, die da tatsächlich in gesunden Wäldern ablaufen, sind natürlich keine Esoterik. Das ganze nennt sich Ökosystem“, resümiert der Forstexperte nüchtern und wünscht sich, dass sich die Menschen im Zeitalter des Konsumrausches und des schnellen Tempos wieder ein wenig auf den Takt der Natur zurückbesinnen und die Schönheit und Raffinesse eines gesunden Laubwaldes verstehen.

Eine Schweizer Ethikkommission beschäftigt sich aktuell mit der Würde solcher Pflanzen. Sicher werden weitere kommunal gesunde Forstflächen entstehen und den industriellen Vormarsch bremsen. Natürlich muss man die Mengen an Papier im Auge behalten, die eine Industrienation wie Deutschland verschlingt. Da sind zertifizierte Wälder ( z. B. FSC) sicher nicht optimal, jedoch ein Kompromiss, der in der Summe wenigstens die überschaubaren Verbesserungen herbeiführte, die ohne den FSC gar nicht erst möglich gewesen wären.

Allerdings sollte man den FSC nicht als Umweltlabel sehen, sondern als Moderator zwischen einer gierigen Industrie und den Belangen von Menschen und Natur. Vielleicht ist der FSC gut beraten, ein Deluxe- oder Platin-Label zu vergeben - speziell für Wälder, wie ihn sich Experten wie Wohlleben vorstellen. Denn die einzige Alternative selbst zu Recyclingpapieren ist derzeit Steinpapier, da hier keine einziger Baum gefällt werden muss, schlicht, da nur Steinmehl verwendet wird.

0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA

Diese Aufgabe hat den Zweck, sicherzustellen das kein unerwünschter Spam eingegeben werden kann.

Bild-CAPTCHA

Nicht fündig geworden in unserem Shop? zum Anfrageformular!